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Mittwoch, Juli 24, 2024

SAP: Neben Cloud steht der Branchen-Hype um Künstliche Intelligenz im Vordergrund

Europas größter Softwarehersteller SAP legt am kommenden Mittwoch nach US-Börsenschluss am späten Abend die Zahlen für das dritte Quartal vor.

Europas größter Softwarehersteller SAP legt am kommenden Mittwoch nach US-Börsenschluss am späten Abend die Zahlen für das dritte Quartal vor.

DAS ERWARTET DER KONZERN:

SAP-Chef Christian Klein und der im Frühjahr gestartete Finanzchef Dominik Asam haben den Anlegern nach Jahren teurer Investitionen vor allem eine deutliche Steigerung des operativen Ergebnisses versprochen. So soll das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern währungsbereinigt um 8 bis 12 Prozent gegenüber dem Vorjahreswert von knapp 8 Milliarden Euro wachsen. Damit würde sich die Konsolidierung der eigenen Datencenter und die Verbesserungen bei der Profitabilität des Cloudgeschäfts endlich auszahlen.

Bezieht man die Wechselkursschwankungen mit ein, dürfte das Plus aber wohl nicht ganz so hoch ausfallen, mit den Wechselkursen von Juni 2023 rechnete SAP zuletzt hier mit einem Gegenwind von bis zu 4,5 Prozentpunkten. Der Euro hat sich zwar seitdem wieder abgeschwächt, was die Belastung mindern könnte – aber im Juli stieg er zuvor auf sein Jahreshoch bei fast 1,13 Dollar je Euro.

Das dritte und vor allem das vierte Quartal liefern bei SAP saisonal regelmäßig die Löwenanteile des Jahresgeschäfts. Kleins Offensive mit der eigenen Kernsoftware S/4 Hana zur Nutzung über das Netz und gegen Abo-Gebühr dürfte auch weiter Schwung liefern bei Auftragseingang und Umsatz.

Bei Cloud- und Softwareerlösen rechnet sich das Management ein währungsbereinigtes Plus von 6 bis 8 Prozent aus, mit Cloudsoftware allein 23 bis 24 Prozent. Das einträgliche Geschäft mit den Softwarelizenzen gegen hohe Einmalzahlungen fährt SAP Stück für Stück zurück. So sollen die besser planbaren Umsätze aus Cloudabos und dem Wartungsgeschäft für Lizenzsoftware dieses Jahr 82 Prozent der Gesamterlöse ausmachen, ein Plus von rund 3 Prozentpunkten.

Den Barmittelzufluss (Free Cashflow) peilt Finanzvorstand Asam mit rund 4,9 Milliarden Euro ein, rund 500 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Die Steuerquote soll zwischen 28 und 32 Prozent liegen.

Neben dem Fokus auf die Cloud steht auch der Branchen-Hype um Künstliche Intelligenz im Vordergrund. SAP hat jüngst weitere Investitionen angekündigt und seinen KI-Assistenten namens Joule vorgestellt. Details zu den Geschäftsaussichten für KI-Tools dürften die Anleger daher interessieren. Klein hatte bereits angedeutet, dass er für die mit KI angereicherten Programme Preisaufschläge von bis zu 30 Prozent im Auge hat.

DAMIT RECHNEN ANALYSTEN:

Beim operativen Ergebnis im dritten Quartal schätzen die Analysten einen Wert von 2,19 Milliarden Euro. Das wären knapp fünf Prozent mehr als im Vorjahreszeitraum – allerdings gehörte da noch der US-Marktforscher Qualtrics zum Unternehmen. SAP hat die Anteile daran inzwischen verkauft und weist demnach Zahlen für das fortgeführte Geschäft aus. Das Plus dürfte also größer ausfallen.

Der Umsatz sollte sich nach Meinung der Fachleute in dem vom Unternehmen veröffentlichten Stimmungsbild auf 7,70 Milliarden Euro belaufen. Das Cloudgeschäft taxieren die Experten darin auf 3,53 Milliarden Euro Erlös. Spannend wird, wie stark SAP den Auftragsbestand in der Cloud steigern kann, insbesondere beim Hauptprodukt S/4 Hana, nachdem Chef Klein hierauf den strategischen Fokus gelegt hat.

Das sieht auch Mohammed Moawalla von Goldman Sachs so. Zwar sei es etwas schwieriger geworden, durch das Konjunkturumfeld zu manövrieren. Doch die Walldorfer sollten eine vergleichsweise hohe Widerstandskraft demonstrieren können, schrieb er in seiner jüngsten Studie. Zahlreiche Software- und Servicedienstleister hätten von längeren Entscheidungszyklen bei den Kunden gesprochen, die S/4-Hana-Pipeline dürfte einiges an Volatilität jedoch ausgleichen. Er kalkuliert für das Quartal mit einem Plus beim währungsbereinigten operativen Ergebnis von 12 Prozent und sieht sich damit auf Linie mit den Markterwartungen.

Baader-Bank-Experte Knut Woller verwies darauf, dass der Konzern nach dem zweiten Quartal bereits die Prognose für das Wachstum mit Cloudsoftware etwas eingedampft hatte. Daher dürften Anleger dem der weiteren Entwicklung hier besondere Bedeutung schenken, abseits der gemeinhin erwarteten Steigerung bei der operativen Marge. Er rechnet diesmal mit einer Bestätigung der Jahresziele. (dpa)

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