14 C
Flensburg
Mittwoch, Mai 25, 2022

So läuft die Datenspionage auf Android-Smartphones

Die meisten Apps forschen den Nutzer aus und verschicken die gesammelten Informationen. Ein Test zeigt, wie Werbenetzwerke und Konzerne Nutzerdaten von Android-Handys abgreifen.

Noch nie wurden so viele Apps auf Smartphones installiert wie heute. Dass die meisten von ihnen den Nutzer auch ausforschen und gesammelte Informationen verschicken, wird meist in Kauf genommen. Computer BILD hat in einem Test untersucht, wie Werbenetzwerke, App-Hersteller und Konzerne persönliche Nutzerdaten von Android-Handys abgreifen. Die Redaktion stattete dafür mehrere fabrikneue Samsung Galaxy S5 mit spezieller Software aus, um die übermittelten Daten zu protokollieren. «Aus den Daten der Smartphone-Besitzer lassen sich sehr genaue Persönlichkeitsprofile basteln. Nach einer Woche ist der Nutzer praktisch gläsern», betont Redakteur Christian Just. «Die treibende Kraft hinter der Datensammelei ist die Hoffnung auf Werbeeinnahmen.»

Bereits die vorinstallierten Apps auf den Mobilgeräten würden sofort relevante Erkennungsmerkmale nach draußen schicken. So zum Beispiel die Android-ID, mit der man jedes Gerät wiedererkennt oder die eindeutige Seriennummer des Handys (IMEI) und des eingebauten WLAN-Moduls (MAC). Diese Infos seien die Basis für die spätere Datensammlung der App-Hersteller oder Werbenetzwerke. Bei der App-Nutzung würden für die User dabei diverse Fallen lauern, weil dem Datenzugriff von Apps nur einmal bei der Installation als Ganzes zugestimmt werden muss, damit sich die App überhaupt nutzen lässt. Später lasse sich der Zugriff nicht mehr beschränken. Eine weitere Falle: «Stammen mehrere Apps vom selben Entwickler, gelten die Berechtigungen auch für alle folgenden Apps», so Just.

Wie zu erwarten, dokumentierten die Laborprotokolle den Datenhunger von Google und Facebook. Erstaunt waren die Tester jedoch vom massenhaften Abgreifen persönlicher Daten durch Gratis-Apps. So schickte das beliebte Gratis-Spiel «Crossy Roads» Daten an 15 verschiedene Server, die mit Werbenetzwerken zu tun haben. Hintergrund: Die App-Hersteller würden von den Branchenriesen der Werbeindustrie für Datenlieferungen bezahlt. Rund 80 Prozent der beliebtesten Apps im Play Store würden Daten an mindestens ein Werbenetzwerk weitersenden, selbst wenn die App im Hintergrund läuft. Dabei handele es sich häufig um detailliertere Infos, als nur um die von Google offiziell zugelassene Werbe-ID. In Kombination mit abgegriffenen GPS- oder WLAN-Daten von Android-Smartphones lasse sich so leicht lokalisierte Werbung erstellen.

Verwandte Artikel

Abonnieren
Benachrichtige mich bei
guest
0 Comments
Inline Feedbacks
View all comments

Share and Like

1,507FollowerFolgen

Neueste Artikel

IFA-Leitung: David Ruetz (l.) und Kai Mangelberger (r.)

Neue Doppelspitze für die IFA

100 Tage vor dem Start der IFA 2022 benennt die Messe Berlin mit David Ruetz (53) und Kai Mangelberger (42) eine neue Doppelspitze für die Messe.