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Montag, April 15, 2024

Ingram Micro: «Wir gehen mit einer guten Warenverfügbarkeit ins Jahresendgeschäft»

Alexander Maier verantwortet die Geschäfte von Ingram Micro in Deutschland und Österreich. Der Distributionschef gibt im Interview einen Ausblick auf für das kommende Jahresendgeschäft.

Alexander Maier verantwortet die Geschäfte von Ingram Micro in Deutschland und Österreich. Der Distributionschef gibt im Interview einen Ausblick auf für das kommende Jahresendgeschäft.

Wie wird sich das kommende Weihnachtsgeschäft entwickeln? Es gibt ja durchaus einige schwierige Rahmenbedingungen.

Maier: Wir verzeichnen im gesamten Bereich Workplace eine Entspannung und verfügen über einen guten Warenbestand, wodurch wir eine kontinuierliche Lieferfähigkeit gewährleisten können. Die steigenden Verbraucher- und Erzeugerpreise und nicht zuletzt die Energiepreise führen allerdings zu sinkender Kaufkraft und einer Kaufzurückhaltung auf Seiten der Konsumenten. Die Situation wird sich vermutlich entspannen, wenn die Haushalte mehr Klarheit darüber haben, was genau auf sie zukommt.
Zusammengefasst gibt es also gute Verfügbarkeiten, aber Unsicherheiten beim Verbraucher.

Wie sieht es mit dem B2B-Bereich aus?

Maier: Nach den Problemen während der Pandemie hat der Bereich Infrastruktur und Datacenter eindeutig Nachholbedarf. In diesem Segment beobachten wir derzeit Herausforderungen in der Supply Chain, besonders in den Bereichen Server, Storage und Networking. Gleichzeitig ist die Nachfrage hoch und wir gehen mit gut gefüllten Auftragsbüchern ins Jahresendgeschäft, denn die über Jahre gewachsene Infrastruktur steht vor unlösbaren Aufgaben in Bezug auf Compliance, Sicherheit, Skalierbarkeit und Kosten. Genau hier liegt das Potenzial von hybriden Cloud-Infrastrukturen als zukunftsweisendes IT-Betriebsmodell zur Lösung dieser Herausforderungen.

Sie sagten, dass es im Bereich Workplace in puncto Lieferschwierigkeiten mittlerweile Entwarnung gibt. In welchen Produktbereichen muss noch mit Verknappungen gerechnet werden?

Maier: Bei Displays und Druckern gibt es beispielsweise noch punktuell Schwierigkeiten und hier sind nicht alle Produkte in allen Segmenten verfügbar. Auch in den Bereichen Datacenter oder Networking kommt es teilweise noch zu Problemen. Störungen in der Lieferkette führen dazu, dass Aufträge häufig nur unvollständig ausgeführt werden können, da bestimmte Lösungen nicht oder nur eingeschränkt lieferbar sind. Hier ist mehr denn je die Flexibilität der Distribution und eine enge Abstimmung mit Herstellern und Resellern gefragt.

Steigende Preise bestimmen die Schlagzeilen in den Medien. Muss der Handel zum vierten Quartal ebenfalls erhebliche Steigerungen einkalkulieren?

Maier: Wir verfügen aktuell über einen guten Warenbestand. Das gilt besonders für Notebooks, Tablets und PCs, wo wir attraktive Preis-Promotionen zum Jahresendgeschäft planen. Es ist also ein guter Zeitpunkt, für Geschäftskunden zu prüfen, in welchen IT-Bereichen derzeit entsprechender Bedarf besteht.

Die Distribution produziert zwar nicht, wird aber sicher auch von der Energiekrise betroffen sein. Auf welche Bereiche trifft dies zu?

Maier: Natürlich wird Energie auch für Distributoren teurer. Sollte die Gasversorgung im vierten Quartal deutlich eingeschränkt sein, müssen wir vorbereitet sein und haben entsprechende Vorkehrungen getroffen. Das betrifft verstärkt den Logistik-Bereich sowie die Transport-Logistik, wo es aufgrund der Rohölpreise zu enormen Zuschlägen kommt. Insgesamt ziehen sich Preiserhöhungen durch die gesamte Wertschöpfungskette – von den Rohstoffen über die Fertigung bis hin zu Transport und Logistik.

Wie geht es den Kunden von Ingram Micro, dem Handel. Welche Tendenzen sehen Sie hier?

Maier: Wir beobachten derzeit keine größeren Schwierigkeiten und auch keine steigende Anzahl von Insolvenzen im Handel. Glücklicherweise werden derzeit kaum Projekte gestrichen oder in größerem Umfang verschoben. Das größte Problem für den Handel, wie auch für die gesamte IT-Branche, ist eher der Fachkräftemangel.

Wie beurteilen Sie die Lage in der deutschen Distribution und die Konkurrenz der Broadliner untereinander?

Maier: Die wesentliche Herausforderung wird künftig nicht die Konkurrenzsituation der etablierten Distributoren untereinander sein. Vielmehr treten neue Anbieter und Wettbewerber in den Markt ein, die als „Digital Natives“ bezeichnet werden können. Wir gehen davon aus, dass die hier wirkenden disruptiven Kräfte weiter zunehmen werden. Das heißt, digitale Akteure bauen auf ihren B2C-Fähigkeiten auf, um verstärkt in B2B-Märkte vorzudringen, wodurch es zu massiven Verschiebungen in der Wertschöpfungskette kommen kann. Darauf bereiten wir uns vor, indem wir unser bewährtes Geschäftsmodell in ein digitales Modell transformieren und mit unserer digitalen Experience-Plattform Xvantage ein Wertversprechen geben, das weit über unsere derzeitigen Fähigkeiten hinausgeht.

Das Interview mit Alexander Maier erschien zuerst im Sonderheft ITK Distribution von Heise und ChannelObserver.

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peter börga
peter börga
1 Jahr zuvor

Gute Warenverfügbarkeit, ist leider nicht eine sehr gute, was dann bedeutet aus meiner 21 Jährigen Erfahrung im Disti Business spätestens Ende Oktober ist man mit den interessanten Produkten auf Lagerstand 0 🙂

Last edited 1 Jahr zuvor by peter börga

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