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Montag, August 15, 2022

„Es gab viele schöne Jahre“

Nach der Übernahme durch Action S.A. peilt Devil mittelfristig einen Umsatz von 500 Millionen Euro an. Wir sprachen mit Gründer Karsten Hartmann, der heute aus der Geschäftsführung von Action ausgeschieden ist.

Karsten Hartmann im Interview mit ChannelObserver
UPDATE: Kurz nach unserem Interview mit Karsten Hartmann erreichte uns die Nachricht, dass der Devil-Gründer aus der Geschäftsführung ausscheidet. Neue Geschäftsführerin der Action Europe ist Diana Kamphausen, die damit auf Hartmann folgt. Die ehemalige Prokuristin der Devil AG ist bereits seit 14 Jahren im Unternehmen tätig, zuletzt als Leiterin Finanzen und Personal. An der Seite des zweiten Geschäftsführers Marek Szarras wird Kamphausen die Geschäfte des Braunschweiger Grossisten künftig leiten. „Ich werde die weitere Entwicklung der Action Europe GmbH verfolgen und dem Unternehmen perspektivisch als Berater zur Seite stehen“, so Hartmann. Anbei also das letzte Interview mit Karsten Hartmann als Geschäftsführer des Grossisten.

ChannelObserver: Im Mai wäre Devil 20 Jahre alt geworden. Sie haben das Unternehmen aufgebaut, viele Hochs und Tiefs durchgemacht. Da hängt man doch an so einem „Kind“.

Hartmann: Klar, da hängt sehr viel Herzblut dran. Natürlich gab es viel Licht und Schatten. Aber jetzt haben wir mit Action ganz andere und viel bessere Möglichkeiten uns am Markt zu behaupten.

ChannelObserver: Dafür haben Sie und Rechtsanwalt Stefan Helbing eine Art Entschädigung erhalten, indem sie Beide Ihre restlichen Devil-Anteile an Action verkauft haben. Polnische Medien sprechen von etwa einer Million Euro?

Hartmann: Über den Verkaufspreis sprechen wir nicht. Aber sagen kann ich, dass wir ein Drittel des Stammkapitals an Devil hielten; je zur Hälfte Stefan Helbing und ich. Insgesamt 800.000 Euro.

ChannelObserver: In der gestrigen Mitteilung zur Action Europe GmbH wurde ihre früherer Mitgeschäftsführer Axel Grotjahn nicht erwähnt. Ist er noch dabei?

Hartmann: Selbstverständlich. Da hat sich nichts geändert. Axel Grotjahn ist nach wie vor Geschäftsbereichsleiter Logistik, Service und IT.

ChannelObserver: Devil war in der Vergangenheit als Vollsortimenter unterwegs. Wird diese Strategie fortgesetzt?

Hartmann: Klar, wir werden weiterhin als Vollsortimenter tätig sein. Action setzt in Polen als Broadliner etwa eine Milliarde Euro um und hat gut 500 Hersteller im Angebot. Von dieser Produktvielfalt werden wir profitieren und uns ähnlich aufstellen. Wir werden viele Herstellerverträge hinzugewinnen. Die ersten Hersteller haben bereits Signale gegeben.

ChannelObserver: Apropos Signale. Wie haben Hersteller und Kunden die vollständige Übernahme der Devil und die Umfirmierung in Action Europe aufgenommen?

Hartmann: Händler und Kunden waren auf jeden Fall sehr neugierig. Die Resonanz fiel insgesamt sehr positiv aus.

ChannelObserver: Lassen Sie uns nochmals über die Strategie der neuen Gesellschaft sprechen. Wird Action Europe nur in Deutschland aktiv sein und wo sehen sie den Kundenschwerpunkt?

Hartmann: Wir werden alle Handelskanäle beliefern, also Fachhändler, Systemhäuser, Retailer, Verbundgruppen und Online-Händler. Da ändert sich nichts gegenüber der Vergangenheit. Wir wollen mit allen Handelskanälen wachsen. Die Action Europe ist für Deutschland zuständig, wird aber auch das Exportgeschäft betreiben, soweit es die Kunden wünschen. Das heißt, wir liefern Waren sowohl ins deutschsprachige Ausland, als auch in andere Staaten.

ChannelObserver: Mit einem ähnlichen Anteil wie Devil und wie reagierte man dort auf die Vergangenheit?

Hartmann: Der Exportanteil liegt umsatzmäßig etwa bei 20 Prozent. Das kann so bleiben. Und was die Vergangenheit angeht, da haben wir bei den Exportkunden den Vorteil, dass sie von den Turbulenzen nicht viel, manche gar nichts mitbekommen haben.

ChannelObserver: Bleibt es in Zukunft dabei, dass die deutschen Kunden aus dem Lager in Braunschweig beliefert werden?

Hartmann: Das bleibt so. In seltenen Fällen kann es vorkommen, dass direkt aus dem Zentrallager in Polen geliefert wird. Aber Braunschweig ist für uns hier das Hauptlager.

ChannelObserver: Hat der Einstieg des Action Konzerns im Juli vergangenen Jahres – Devil stand seit April 2013 in Insolvenz – der Unternehmensentwicklung gut getan?

Hartmann: Na klar. Wir haben im zweiten Halbjahr 2013 knapp 29 Millionen Euro Umsatz gemacht. Aber um richtig wachsen zu können, war es richtig, das Unternehmen ganz in die Action S.A. zu integrieren. Denn Action hat eine gute Marktposition in Europa.

ChannelObserver: Da gibt es doch sicherlich auch schon Umsatzplanungen und Gewinnerwartungen für dieses Jahr?

Hartmann: Wir gehen von etwa 130 Millionen Euro aus. Natürlich mit Gewinn, aber darüber kann ich jetzt noch nichts sagen.

ChannelObserver: Sicherlich mit steigender Tendenz? Die kürzlich gegründete deutsche Niederlassung des polnischen Mitbewerbers ABC Data sieht sich in einigen Jahren irgendwo auf dem vierten oder fünften Platz der umsatzgrößten Distributoren in Deutschland. Wo sehen Sie bis dahin die Action Europe GmbH?

Hartmann: Ich erwarte keinen Wettkampf. Es kommt nicht darauf an, auf dem vierten oder fünften Platz zu sein. Wichtig sind gute Geschäfte. Da könnten wir mittelfristig einen Umsatz von 500 Millionen Euro erreichen.

ChannelObserver: Die Marke Devil ist jetzt erst einmal vom Markt genommen worden. Was empfinden Sie dabei?

Hartmann: Irgendwie ist das schon schade. Es gab ja auch viele schöne Jahre. Aber Action behält die Marke. Mal sehen, was damit geschieht. Auf jeden Fall steht sie für persönlicher, flexibler und schneller. Das werden wir auch in der neuen Konzernstruktur als Action Europe für unsere Kunden sein.

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