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Freitag, August 19, 2022

„Die Konsolidierung ist bereits weit fortgeschritten“

VAD Avnet will den Service-Bereich ausbauen, auch über Akquisitionen. Wir sprachen mit Roman Rudolf, dem DACH-Chef von Avnet, über die Strategie des Distributors.

Roman Rudolf, DACH-Chef von Avnet, im Gespräch mit ChannelObserver
ChannelObserver: Avnet hat, fast unbemerkt von der Öffentlichkeit, zahlreiche Firmen in der Vergangenheit übernommen. Für den deutschen Raum war sicherlich die Übernahme von Magirus bedeutsam. Ist der VAD mittlerweile komplett in die Avnet integriert und wie laufen die Prozesse?

Rudolf: Dass unsere Akquisitionen unter dem Radar laufen, heißt auch, dass die Integrationen planmäßig und ohne Schwierigkeiten ablaufen. Wir haben auf diesem Gebiet aber auch viel Erfahrung: Auch in der DACH-Region haben wir sehr viele Akquisitionen durchgeführt. Die Übernahme von Magirus ist jetzt komplett abgeschlossen. Die Integration der IT-Systeme war der letzte noch fehlende Punkt. 

ChannelObserver: Inwiefern ist die Übernahme von Magirus hilfreich, um sich als VAD in der DACH-Region zu positionieren?

Rudolf: In der DACH-Region werden wir auf Augenhöhe mit einer Azlan gesehen. Wir wollten uns in der „Solution-Distribution“ weiterentwickeln mit einem Fokus auf dem Datacenter. In diesem Bereich haben wir mit der Magirus eine Lücke geschlossen. Wir habe darüber hinaus einige weitere Hersteller aufnehmen können, wie beispielsweise VMware, Red Hat oder EMC. Außerdem wollen wir unseren Partnern künftig mehr Services anbieten. Diesen Bereich wollen wir ausbauen. Über Magirus haben wir beispielsweise ein VMware-Trainingszentrum hinzugewonnen. Kürzlich hat sich auch IBM entschieden, seine Trainingscenter abzugeben. Da gab es eine weltweite Ausschreibung. Einen großen Teil dieser Trainings haben wir übernommen. Als globaler Schulungsanbieter für IBM werden wird unserem weltweiten Vertriebspartner-Netzwerk sowie Endnutzern entsprechende Schulungsprogramme anbieten.

ChannelObserver: Sind weitere Übernahmen geplant? Dies hat zumindest CEO Rick Hamada angekündigt. Welche Bereiche wären denn für eine Avnet sinnvoll zu adressieren?

Rudolf: Akquisitionen sehen wir verstärkt im Service-Bereich. Die meisten Übernahmen finden jedoch in den USA statt. Diese Services versuchen wir aber auch in Europa anzubieten. Christian Magirus verantwortet mit seinem Team den Ausbau des Service-Geschäfts in Europa. Generell ist die Konsolidierung im VAD-Bereich in Europa bereits weit fortgeschritten. 

ChannelObserver: Welche Segmente sind denn im Servicebereich besonders interessant?

Rudolf: Besonders wichtig ist mit Sicherheit der gesamte Education-Bereich. Des weiteren gehören Lifecycle-, IT- und Business-Solutions dazu. Im Bereich IT-Solutions können wir unseren Partnern beispielsweise eine Software zur Verfügung stellen, mit denen die Lizenzen beim Endkunden überprüft werden können. So kann unter anderem festgestellt werden, ob eine Überlizenzierung vorliegt. Mit der Übernahme von Ascendant konnten wir den Bereich Business-Solutions entscheidend ausbauen. Jetzt können wir den Partnern beispielsweise Software-Architekten zur Verfügung stellen, mit denen sie ihre Lösungskompetenz untermauern können.

ChannelObserver: Aktuelle Studien besagen, dass sich Distributoren im Zeitalter von Cloud Computing über gezielte Akquisitionen selber zum „Cloud Enabler“ weiterentwickeln müssten. Im vergangenen Jahr übernahm Avnet mit Seamless Technologies einen Spezialisten für Private Cloud und Dienstleistungen rund um das Rechenzentrum. Wie sieht die Cloud-Strategie von Avnet aus?

Rudolf: Ich würde Avnet nicht als Provider sehen. Wir werden uns nicht als Anbieter von Infrastructure-as-a-Service positionieren. Viele unserer Hersteller gehen ja in diese Richtung, beispielsweise eine IBM über die Akquisition von SoftLayer. Ich sehe unsere Aufgabe eher darin, unseren Partnern zu helfen, entsprechende Cloud-Projekte beim Endkunden zu verwirklichen. Generell denke ich, dass sich im B2B-Bereich hybride Modelle durchsetzen werden. Das Cloud-Zeitalter wird dafür sorgen, dass sich unsere Kundenstruktur ändern wird. Ein Großteil unserer Partner sind heute VARs und Systemintegratoren. Künftig werden sicherlich viele Managed Service Provider (MSPs) und ISVs hinzukommen. Die Industrie befindet sich in einem großen Umbruch. 

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