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Donnerstag, Dezember 1, 2022
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Die Topps und Flops des Jahres

Zwei Broadliner sind gleichzeitig Marktführer, Monopole fallen und ein Konzern kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus. ChannelObserver blickt zurück auf 2012.

ChannelObserver-Jahresrückblick
Distribution: Wer ist der Größte im Land?

Auf diese Frage gab es seit Menschengedenken nur eine Antwort: Ingram Micro ist der führende Distributor in Deutschland. Das Team um Geschäftsführer Gerhard Schulz  führte den Markt mit Kontinuität und ohne Skandalgeschichten an. Doch die fusionierte Also Acebis, im nächsten Jahr nur noch „Also“, rüttelt ernsthaft am Thron der Ingram. Der Geschäftsführer eines anderen Broadliners verweist in dieser Frage auf Also Actebis. Ausschlaggebend sei der Apple-Vertrag, den Also dem Konkurrenten in diesem Jahr abluchsen konnte. Auf den Firmenwebseiten behaupten jedenfalls beide Grossisten, Marktführer zu sein: „ALSO Actebis ist in Deutschland das größte Großhandelsunternehmen für Produkte, Lösungen und Dienstleistungen aus den Bereichen Informationstechnologie, Telekommunikation und Unterhaltungselektronik.“ Und jetzt Ingram: „Als der führende Großhändler für Produkte der Informationstechnologie in Deutschland bietet die Ingram Micro Distribution GmbH aus Dornach bei München ein umfassendes marktgerechtes Produktspektrum von mehr als 350 namhaften IT-Lieferanten sowie Dienstleistungen in den Bereichen E-Commerce, Finanzen, Marketing und Logistik für über 35.000 Kunden.“ Also Actebis hat im Dezember jedenfalls viel getan, um die Nummer Eins zu werden: Der Grossist übernahm erst den Software-Distributor Atomblock und kündigte dann die Akquisition der niederländischen Saphin-Gruppe an.

Die Welt ist ein Apfel 

Allen Unkenrufen zum Trotz war Apple auch in diesem Jahr nicht abgestürzt. Apple-Produkte tragen mittlerweile mehr als zehn Prozent zum weltweiten Umsatz von den Broadlinern Ingram Micro UND Tech Data bei. Dieses Kunstück gelang zuvor nur Hewlett-Packard. Die Apple-Produkte, auch die Neuerscheinungen wie iPad Mini oder iPhone 5, sprechen nach wie vor Privat- und Geschäftskunden an.

Das Wintel-Monopol ist gebrochen

Jahrelang eilten sie im Gleichschritt von Erfolg zu Erfolg: Microsoft stellte ein neues Betriebssystem vor und Intel die mit Spannung erwartete CPU, die optimal zur Software passte. Beides wurde schnell in die Desktops der Hersteller verbaut. Diese Zeit ist endgültig vorbei. Das liegt weniger daran, dass es neue CPU-Hersteller oder alternative Anbieter von Betriebssystemen für Desktops und Notebooks gibt, sondern vielmehr an den den veränderten Nutzungsgewohheiten der Kunden. Tablets haben sich, entgegen anderslautender Meinungen, als vollständiger PC-Ersatz etabliert. Zunehmend sogar im Geschäftsumfeld. Das demonstrierte SAP-Chef Jim Snabe, der auf einer Roadshow durch die Presse-Redaktionen im November zeigte, dass er seinen gesamten Konzern über sein iPad steuert. Diese Tendenz untermauern die Marktforscher: Nach einer IDC-Studie finden sich heute weltweit nur noch auf 20 Prozent der privat genutzten Computer Microsoft-Betriebssysteme. Im Jahr 2000 lag der Marktanteil von Microsoft noch bei 97 Prozent. Die Studie rechnet allerdings, was legitim ist, auch Tablets und Smartphones zu den Computern hinzu. Die Studie liefert einen weiteren Beleg für den entscheidenden Bruch in der Vorherrschaft der herkömmlichen Windows-PCs. Die neuen Anführer heißen jetzt Apple und Samsung.

HP kommt nicht aus den Negativ-Schlagzeilen heraus 

2011 war bereits kein gutes Jahr für HP. Der Hickhack um den Verkauf der PC-Sparte verwirrte Kunden, Partner und die eigenen Mitarbeiter. 2012 war nicht wirklich besser: Wegen der Ungereimtheiten in der Bilanz der 2011 für gut 10 Milliarden Dollar übernommenen Firma Autonomy wurden nicht nur die Wirtschaftsprüfer von HP, sondern auch der Konzern und einige Manager verklagt. HP hatte in seiner Quartalsbilanz im November 8,8 Milliarden Dollar auf die Firma abgeschrieben. Zu allem Überfluss meldete sich noch Ex-Chef Leo Apotheker (firmenintern „der irre Deutsche“ genannt) zu Wort: Das Autonomy-Debakel hätte nicht er allein zu verantworten. In einem so großen Konzern wie Hewlett-Packard werden wichtige Entscheidungen von vielen Leuten getroffen. Letztendlich sei der Aufsichtsrat schuld. Vor allem Ray Lane, Chairman des Board of Directors. 

Microsoft auf den Spuren von Apple

Tablets statt PCs, Apps statt Software-Paketen. Das veränderte Kundenverhalten sorgte auch für neue Strategien der Platzhirsche. Microsoft stieg in diesem Jahr mit dem Tablet „Surface“ in den Hardware-Markt ein und ging in Konkurrenz zu seinen ODM-Partnern, die das Produkt auch gleich mit Kritik begrüßten. Der Vertrieb sollte über die eigenen Shops in den USA und online erfolgen. Das wiederum verärgerte Partner und Distributoren. Wie ChannelObserver vorab berichtete, änderte Microsoft im Dezember diesen Vermarktungsansatz und belieferte in einem ersten Schritt Retailer in den USA wie Staples und Best Buy. Ein baldiger Verkaufsstart über Amazon in Deutschland ist darüber hinaus wahrscheinlich. Aber auch Amazon selbst öffnete sich mit seinem Tablet „Kindle“ neuen Kooperation und vertreibt das Produkt seit Dezember über Media/Saturn, wie ChannelObserver exklusiv berichtete.

Die Cloud ist wirklich da

Seit Jahren wird über sie gesprochen. Anfangs dachten viele, es sei ein Marketing-Begriff wie „Green IT“. Doch es handelt sich wohl eher um ein neues Paradigma in der IT: Cloud Computing. Und alle machen jetzt mit: Die Hersteller, neuerdings auch die Distributoren und die Systemhäuser. Ohne Zweifel, das große Thema für den Channel in 2013 und darüber hinaus.

Amazon: Ein Marktführer schreibt rote Zahlen

Amazons Rendite ist gesunken. Im jüngsten Quartal schrieb das Unternehmen sogar einen Verlust von 274 Millionen Dollar. Das liegt aber auch an den Investitionen für den Cloud-Dienst „Amazon Web Services“. Hier ist das Unternehmen ein Pionier. Analysten gehen von einem jährlichen Umsatzwachstum von 45 Prozent in diesem Bereich aus.

Etailer kooperiert mit Verbundgruppe

Es war sicherlich eine der Überraschungen des Jahres: Die Verbundgruppe Electronic Partner beteiligt sich an Notebooksbilliger. Notebooksbilliger-Chef Arnd v. Wedemeyer begründet den Schritt mit „Sortimentserweiterung“. Jörg Ehmer, Sprecher des Vorstands ElectronicPartner Handel SE, mit einer „Steigerung der Leistungsfähigkeit“.

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