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Mittwoch, Mai 25, 2022

Online-Händler geraten unter Druck

Der Online-Handel gerät unter Druck. Der harte Kampf um Marktanteile zwingt die lange erfolgsverwöhnten Etailer zum Umdenken. Kunden geht es um mehr als um den schnellen Einkauf.

Nun gerät auch der Handel im Internet unter Druck. Der harte Kampf um Marktanteile zwingt die lange erfolgsverwöhnten Online-Händler zum Umdenken. Längst geht es vielen Online-Kunden nach Einschätzung von Experten um mehr als nur um den schnellen und gezielten Einkauf. Stichworte sind Impulskäufe und ein Trend zu mehr Beratung. Händler versuchen zunehmend, den Online-Handel mit den Stärken des stationären Handels zu verbinden. «Die Welten werden sich vermischen», kündigte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Donnerstag in Düsseldorf an. Handelsforscher sehen die Zukunft des Onlinehandels längst nicht mehr nur in geplanten Käufen zur Deckung eines konkreten Bedarfs. Immer mehr Händler setzen dabei künftig auf eine Art «Schaufensterbummel» im Internet. «Heute ist schon fast jede sechste Online-Bestellung ein Impulskauf», heißt es dazu in einer aktuellen Studie des Kölner Forschungsinstituts ECC zu Trends beim Online-Shopping. Besonders ausgeprägt sei diese Entwicklung bei jungen Kunden unter 30 Jahren. Shopping im Internet sei für viele Verbraucher zunehmend zur Freizeitbeschäftigung geworden, heißt es dort. Dabei sehen die Forscher deutliche Unterschiede zwischen den Geschlechtern: Frauen stöberten lieber und bestellten doppelt so häufig aus Langeweile im Internet, stellt die Studie fest. Deutlich häufiger als der männliche Internet-Shopper hätten Frauen bei einer Befragung unter mehr als 1.000 Kunden angegeben, sich durch den Kauf «belohnen» oder «aufheitern» zu wollen. Zunehmend gefragt sei im Internet auch die Beratung und der persönliche Kontakt mit dem Anbieter. Auf dem Vormarsch sieht der HDE auch lokale Marktplätze im Internet, auf denen Händler aus der Region ihre Waren präsentieren. Bestellte Ware kann so bei den Händlern vor Ort gleich anprobiert oder von den lokalen Läden noch am selben Tag geliefert werden.

Für viele Innenstädte geht es bei der zunehmenden Verzahnung mit dem Internet ums Ganze. «Der Handel braucht die Stadt nicht, aber die Stadt braucht den Handel», sagt HDE-Hauptgeschäftsführer Genth. Mehr als die Hälfte (57 Prozent) der von dem Verband in diesem Sommer befragten rund 900 Händler hatte über eine «sinkende» oder «deutlich sinkende» Kundenfrequenz an seinem Standort geklagt. Gefragt seien nun Investitionen zur Aufwertung der Innenstädte, sagt Genth. In den kommenden fünf Jahren rechnet der Handelsverband mit mehr als einer Verdoppelung des Online-Anteils am Gesamtumsatz des deutschen Einzelhandels von derzeit rund neun Prozent auf etwa 20 Prozent bis zum Jahr 2020. Auch künftig werde der stationäre Handel jedoch einen Platz behalten, glaubt Genth. Im laufende Jahr kann der deutsche Einzelhandel insgesamt nach einer Prognose des HDE auf einen Umsatzanstieg um zwei Prozent auf den Rekordwert von 469,1 Milliarden Euro hoffen. Für den Handel im Internet rechnet der Branchenverband sogar mit einem Umsatzplus von 12 Prozent auf 41,7 Milliarden Euro. Doch die Experten sind sich nicht ganz einig. Angesichts von Flüchtlingskrise und zunehmender Konjunktursorgen hat die Nürnberger Gesellschaft für Konsumforschung GfK bereits vor einer erneuten Eintrübung des Konsumklimas gewarnt.

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