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Dienstag, Juli 16, 2024

SAP beschleunigt Cloudwachstum

SAP sieht sich nach deutlichen Zuwächsen vor allem im zukunftsträchtigen Cloudgeschäft im dritten Quartal auf Kurs zu den Jahreszielen.

Europas größter Softwarehersteller SAP sieht sich nach deutlichen Zuwächsen vor allem im zukunftsträchtigen Cloudgeschäft im dritten Quartal auf Kurs zu den Jahreszielen. Firmenchef Christian Klein rechnet trotz der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen und zunehmender geopolitischer Spannungen mit einem Umsatzplus und einem deutlichen Anstieg des operativen Gewinns. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern soll 2023 währungsbereinigt im Vergleich zum Vorjahreswert um 8 bis 12 Prozent auf 8,65 Milliarden Euro bis 8,95 Milliarden Euro zulegen, teilte der Konzern am Mittwochabend nach US-Börsenschluss mit. Die in New York gehandelten SAP-Anteile legten nach Bekanntgabe der Zahlen und des bestätigten Ausblicks kräftig zu.

Bei den Cloud- und Softwareerlösen peilt Klein einen um die Folgen des im Jahresvergleich starken Euro bereinigten Wert zwischen 27,0 Milliarden Euro und 27,4 Milliarden Euro an – das wäre eine um Währungseffekte bereinigte Wachstumsrate von sechs bis acht Prozent. Deutlich höher soll der Anstieg im Cloudbereich – dem von der SAP-Spitze erklärten Zukunftsgeschäft – ausfallen. Nachdem Klein hier im Sommer noch etwas zurückrudern musste, wurde die Prognose dieses Mal bestätigt. Die Clouderlöse sollen währungsbereinigt in einer Spanne zwischen 14,0 und 14,2 Milliarden Euro liegen und damit 23 bis 24 Prozent höher als noch 2022.

Das Cloudgeschäft ist das erklärte Zukunftsgeschäft der Walldorfer. Kunden, die SAP-Software cloudbasiert nutzen, zahlen einen geringeren Betrag über eine Laufzeit von in der Regel drei Jahren – bleiben aber dann oft länger Kunde, weil sie ohne Vertrag die Software nicht mehr nutzen können. Der Umsatz ist für SAP somit besser planbar als im Lizenzgeschäft, wo die Software für eine hohe Einmalzahlung verkauft wird. Das einträgliche Geschäft mit den Softwarelizenzen gegen hohe Einmalzahlungen fährt SAP dagegen Stück für Stück zurück. So sollen die besser planbaren Umsätze aus Cloudabos und dem Wartungsgeschäft für Lizenzsoftware dieses Jahr 82 Prozent der Gesamterlöse ausmachen, ein Plus von rund 3 Prozentpunkten.

Dieser Wandel ging zuletzt allerdings zuletzt auch immer wieder auf Kosten der Marge. Damit soll in diesem Jahr Schluss sein, da 2023 der operative Gewinn stärker als der Umsatz zulegen soll. Damit würde sich die Konsolidierung der eigenen Datencenter und die Verbesserungen bei der Profitabilität des Cloudgeschäfts endlich auszahlen. An der Börse wurde dieser Kurs zuletzt honoriert. Nachdem das Papier 2022 mit einem Abschlag von 23 Prozent noch zu den größten Verlierern im Dax gehört hatte, ging es in diesem Jahr mit dem Papier bisher um ein Viertel nach oben. SAP ist mit einem Börsenwert von 150 Milliarden Euro der mit Abstand am höchsten bewertete deutsche Konzern.

In den drei Monaten bis Ende September zog der Umsatz um vier Prozent auf etwas mehr als 7,7 Milliarden Euro an – währungsbereinigt habe das Plus bei neun Prozent gelegen. Die Clouderlöse legten bereinigt um 23 Prozent auf 3,47 Milliarden Euro zu. Damit blieb SAP zwar etwas hinter den Erwartungen der Experten zurück, konnte aber das Wachstum im Vergleich zum zweiten Quartal deutlich beschleunigen. Besser als von Analysten fiel dagegen das operative Ergebnis aus. Der operative Gewinn sei währungsbereinigt um 16 Prozent auf knapp 2,3 Milliarden Euro gestiegen. Unter dem Strich verdiente der Konzern 1,7 Milliarden Euro und damit 34 Prozent mehr als vor einem Jahr.

„Unsere Ergebnisse für das dritte Quartal sind ein erneuter Beleg dafür, dass wir in die nächste Phase unserer Transformation eingetreten sind“, sagte Klein. „Wir haben das Cloudwachstum in unserem gesamten Portfolio beschleunigt.“ Zudem seien die Margen in dem Geschäft deutlich gestiegen. Neben dem Fokus auf die Cloud steht auch der Branchen-Hype um Künstliche Intelligenz im Vordergrund. SAP hat jüngst weitere Investitionen angekündigt und seinen KI-Assistenten namens Joule vorgestellt. Klein hatte zuletzt angedeutet, dass er für die mit KI angereicherten Programme Preisaufschläge von bis zu 30 Prozent im Auge hat. (dpa)

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