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Dienstag, Juli 16, 2024

Ada Lovelace: Computer-Visionärin mit Weitblick

Die Computer-Branche gilt als Männer-Domäne. Doch das erste Computerprogramm der Welt entstammt der Feder einer Frau. Ada Lovelace, vor 200 Jahren geboren, gilt heute als Visionärin.

Sie gilt heute als bedeutende Pionierin und Visionärin des Computerzeitalters: Gut hundert Jahre vor der Erfindung der ersten programmierbaren Rechenmaschine der Welt durch den deutschen Ingenieur Konrad Zuse entwickelte die junge Britin Ada Augusta Lovelace das erste Maschinenprogramm. Die begeisterte Naturwissenschaftlerin war damit ihrer Zeit weit voraus. In der kommenden Woche jährt sich der Geburtstag der 1815 als Augusta Ada Byron in London geborenen Mathematikerin zum 200. Mal. Zur Welt kam Lovelace am 10. Dezember 1815 als Tochter von Anne Isabella Noel-Byron und dem englischen Dichter George Gordon Byron, der als Lord Byron bekannt wurde. Kurz nach ihrer Geburt trennten sich die Eltern, ihren Vater lernte Lovelace nie kennen. Allerdings sei es dem damals berühmten Vater zu verdanken gewesen, dass sie schon in jungen Jahren als «eine der faszinierendsten Persönlichkeiten der romantischen Epoche» galt, schreibt die Biografin Dorothy Stein. Adas Mutter war selbst eine Hobby-Mathematikerin, die viel Interesse an Naturwissenschaften aufbrachte und auch ihrer Tochter eine entsprechende Ausbildung ermöglichte – in privatem Rahmen, versteht sich.  Zu einer Zeit, da Frauen nicht einmal der Zutritt zu wissenschaftlichen Bibliotheken gestattet war, pflegte Lovelace intensive Kontakte mit führenden Gelehrten. So lernte sie in den Salons Londons namhafte Wissenschaftler kennen. Im Alter von 17 Jahren kam sie auch mit Charles Babbage in Kontakt. Der Philosoph, Astronom und Mathematiker hatte als Mitglied der Royal Society und Mathematik-Professor an der University of Cambridge damals eine prestigeträchtige Position inne. In den folgenden Jahren arbeitete sie mit ihm intensiv zusammen – was ihren späteren Ruhm begründete.

1833 nahm Babbage die Entwicklung seiner berühmten «Analytic Engine» auf. Er tüftelte an einem mechanischen Verfahren, um sogenannte Bernoulli-Zahlen zu berechnen, die für trigonometrische Berechnungen in der Luft- und Seefahrt genutzt werden. Bereits zehn Jahre zuvor arbeitete der Wissenschaftler mit finanzieller Unterstützung der britischen Regierung an einer «Differenz Maschine». Für die «Analytic Engine» brachte die Regierung kein Geld mehr auf, die Kosten musste Babbage aus eigener Tasche aufbringen. Babbage habe zwar zahlreiche Entwürfe konzipiert, gebaut wurde die Maschine jedoch nie, erklärt Doreen Hartmann, Kuratorin einer Ausstellung in Paderborn. «Die Analytic Engine existierte nur auf dem Papier.» In Paderborn wird Lovelace in der Schau «Am Anfang war Ada – Frauen in der Computergeschichte» im Heinz Nixdorf Museumsforum noch bis Juli als erste Programmiererin der Welt geehrt.

Möglicherweise wäre die mechanische Rechenmaschine von Babbage längst in Vergessenheit geraten, wenn nicht Ada Lovelace die Bedeutung der Erfindung erkannt hätte. Die Beiträge, Kommentare und Berechnungen der Mathematikerin hätten überhaupt erst verdeutlicht, welch großes Potenzial in der Maschine steckt, sagt Hartmann. Lovelace sei mit ihren Arbeiten eine Visionärin und ihrer Zeit weit voraus gewesen. Sie habe die Möglichkeit erkannt, mit ihr jegliche Form von Zeichen zu berechnen, also zum Beispiel auch für musikalische Kompositionen zu verwenden. 1843 entwickelte die 28-Jährige einen Algorithmus für die Analytic Engine, wobei sie Programmier-Verfahren nutzte, die bist heute gültig sind. Dabei habe sie Schleifen und Verzweigungen als Kontrollstrukturen verwendet, die es zu dieser Zeit überhaupt noch nicht gab, erklärt Hartmann. In Grundzügen seien diese Strukturen auch heute noch in Algorithmen einfacher Abläufe zu finden, wie beispielsweise in einem Befehl wie «Solange die Ampel rot ist, bleibe stehen, bei Grün gehe weiter». «Während Babbage seinen mechanischen Computer als reine Rechenmaschine sah, erkannte Ada schon das Potenzial der universellen Einsetzbarkeit von Computern.»  Nachhaltige Anerkennung erfuhr Ada Lovelace zu ihren Lebzeiten allerdings nicht. Die Analytic Engine blieb ein nicht realisiertes Projekt. Erst 1953, über hundert Jahre später, wurde ihr Beitrag erneut veröffentlicht und stieß auf das Interesse eines Fachpublikums. In den 70er Jahren wurde dann eine Programmiersprache nach ihr benannt (Ada), die zunächst vom US Verteidigungsministerium gefördert wurde und Ähnlichkeiten mit der Sprache Pascal aufweist.

Ein wirklich glückliches Leben führte Ada nicht. Mit 19 Jahren heiratete sie William King, den späteren Earl of Lovelace. Sie bekam drei Kinder, beschrieb ihre Ehe jedoch als unglücklich und machte mit Liebesaffären und Wettspielen von sich Reden. Schon in ihrer Kindheit litt sie unter zahlreichen Erkrankungen wie Schwächeanfällen, schmerzhaften Magenschmerzen, Herzanfällen und anderen Symptomen, die in einem Fall, wie die Biografin Stein schreibt, möglicherweise auf Cholera hinweisen. Ihre Mutter verordnete ihr über längere Zeit immer wieder strikte Bettruhe, die sie möglicherweise zusätzlich schwächte. Im Alter von nur 36 Jahren starb Lovelace an Krebs.

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